Objektbeschreibung
Technische Daten
Datierung: um 1910
Material: Eichenholz
Maße: 152 cm x 84 cm (H x B)
„Ehre seinem Andenken“ fordert die Gefallenentafel für den Mindener Soldaten Wilhelm Schramme. Er starb vor 120 Jahren im damals sogenannten „Schutzgebiet Deutsch-Südwestafrika“, dem heutigen Namibia. Die weiß gestrichene Eichenholztafel mit Reichsadler, Eichenlaubverzierung und Blumenschmuck illustriert eindrücklich, wie im Kaiserreich der Einsatz deutscher Soldaten in den als Kolonien beanspruchten Ländern gesehen werden sollte: als „Heldentat“. Der Einsatz von Soldaten diente der Festigung des kolonialen Machtanspruchs. Denn seit 1904 gab es heftigen Widerstand der Bevölkerungsgruppen der Herero und Nama. Die Herero und Nama wurden im darauffolgenden Vernichtungskrieg des Kaiserreiches, der bis 1908 andauerte, fast gänzlich ausgelöscht.
Die erste halboffizielle Entschuldigung für diese Kolonialverbrechen erfolgte 2004 durch die damalige Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul. Um die angemessene Anerkennung dieses Völkermords zu Beginn 20. Jahrhunderts wird bis heute zwischen deutscher und namibischer Regierungsseite sowie den Herero- und Namaorganisationen gestritten. In Namibia wird seit 2025 mit dem Genocide Remembrance Day an die deutschen Kolonialverbrechen erinnert.
// Text: Marco Schüngel, Januar 2026
Literatur
- Cramer, Alfred: Geschichte des Infanterie-Regiments Prinz Friedrich der Niederlande (2. Westfälisches) Nr. 15. Berlin 1910.
- Freese, Anne: „Schutzgebiete“, in Wie Rassismus aus Wörtern spricht. (K)Erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk, hrsg. v. Susan Arndt und Nadja Ofuatey-Alazard, 2011.
- Frey, Barbara: „Für Kaiser und Reich“: Erinnerungsorte an westfälische Soldaten der Kaiserlichen Schutztruppe. In: Bischoff, Sebastian / Frey, Barbara / Neuwöhner, Andreas (Hg.) Koloniale Welten in Westfalen, Paderborn 2021, S. 87-116 (Studien und Quellen zur Westfälischen Geschichte, Bd. 89).
- Korn, Ulf-Dietrich: St. Simeon. In: Stadt Minden. Bear. v. Fred Kaspar und Ulf-Dietrich Korn. Altstadt . Die Stifts- und Pfarrkirchen. Bear. v. Ulf-Dietrich Korn und Bettina Jost. (Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen. Hrsg. v. Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Westfälisches Amt für Denkmalpflege) 50. Bd./ Teil III), Klartext Verlag 2003, S. 623ff, S, 776 zur Gedenktafel.
- Bundeszentrale für politische Bildung: Völkermord an Herero und Nama. Abkommen zwischen Deutschland und Namibia, in: Ebd. URL: https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/335257/voelkermord-an-herero-und-nama-abkommen-zwischen-deutschland-und-namibia/#:~:text=Sch%C3%A4tzungen%20gehen%20davon%20aus%2C%20dass,der%20Herero%20wurden%20dabei%20ermordet (05.01.2026).
- Bundeszentrale für politische Bildung: Januar 1904: Herero-Aufstand in Deutsch-Südwestafrika, in: Eba. URL: https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/176142/januar-1904-herero-aufstand-in-deutsch-suedwestafrika/ (05.01.2026)
Schon gewusst?
Provenienz der Gefallenentafel
Die Gefallenentafel befand sich bis zum Ende des 2. Weltkriegs in der auch als Garnisonskirche genutzten Simeonskirche in Minden. Danach wurde sie entfernt. Eine Übergabe an das LWL-Preußenmuseum erfolgte um das Jahr 2004. Hier wurde die Tafel erstmals 2022 in der Sonderausstellung „Schwarz weiß. Preußen und Kolonialismus“, einem Kooperationsprojekt des Preußenmuseums Minden mit Studierenden der Universität Bielefeld, wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und kontextualisiert.
Fragwürdige Bezeichnungen „Schutzgebiet“ und „Kaiserliche Schutztruppe“
Die Begriffe „Schutzgebiete“ und „Kaiserliche Schutztruppe“ werden heute kritisch betrachtet, da sie aus einer deutsch-kolonialen Perspektive stammen und ein Ausbeutungs- und Herrschaftsverhältnis in ein Schutzverhältnis umdeuten.
Inschrift Erinnerungstafel
Aus der Militär-Gemeinde/
Minden, starb für Kaiser und/
Reich im Feldzug gegen die/
Hereros, Reiter/
Wilhelm Schramme/
Der Südwestafrikanischen Schutztruppe/
(früher 11. Komp. Infanterie-Regiments/
Prinz Friedrich der Niederlande/
(2. Westf. No 15)/
Gefallen bei Alurisfontein am 9. 1. 1906./
Ehre seinem Andenken