Objektbeschreibung
Technische Daten
Nachttopf „Siebenhenkeltopf“
1850–1950, Münsterland
Hersteller*in unbekannt
Keramik, Irdenware
LWL-Freilichtmuseum Detmold
Zimmerklosett
Zweite Hälfte 19. Jahrhundert
Hersteller*in unbekannt
Holz, Porzellan
LWL-Freilichtmuseum Detmold
Eines verbindet alle Menschen unabhängig von Stand oder Herkunft: das natürliche Bedürfnis, sich zu erleichtern. Heute ist das ganz selbstverständlich: Man sucht eine Toilette auf, drückt den Spülknopf und schon ist das Thema für die meisten erledigt. Doch wie sah ein Toilettengang früher aus, als es noch keine modernen Sanitäranlagen gab?
Der Zugang zu hygienischen Sanitäranlagen war über Jahrtausende ein Privileg der Oberschicht und städtischen Eliten. Die soziale Ungleichheit zeigte sich nicht nur im Komfort, sondern auch in der gesundheitlichen Belastung durch mangelnde Hygiene.
Die Geschichte der Toilette reicht bis in die antiken Hochkulturen. Die Oberschicht hatte Zugang zu fortschrittlichen Toilettenanlagen, teilweise sogar mit Wasserspülung, während die ärmere Bevölkerung auf öffentliche Latrinen oder den Gang in die Natur angewiesen war.
Mit dem Zusammenbruch des römischen Reichs verschwand die Wasserspülung auch nach und nach aus den deutschen Städten des Mittelalters. In Burgen gab es sogenannte Aborterker. Das waren Anbauten mit Loch, woraus die Hinterlassenschaften nach draußen fielen. Die Bürger nutzten Sickergruben oder offenen Gräben. Nachts setze man auf Nachttöpfe, die einfach durch die Fenster auf den Straßen entleert wurden. Die gehobene Bevölkerung nutzte stattdessen die komfortablen Leibstühle, also Nachttöpfe, die in Stühle eingelassen wurden. Dies zog sich bis in das 19. Jahrhundert, wo sich in den Städten allmählich Sitzklosetts mit einer Wasserspülung durchsetzen. Ein Vorgänger davon ist das Zimmerklosett in unserer Ausstellung, welches die Hinterlassenschaften zwar noch mit einem Eimer auffing, aber das bereits eine Wasserspülung ausgestattet ist. Auf dem Land waren Plumpsklos noch bis weit in das 20. Jahrhundert üblich.
Text: // Marie Brune, März 2026
Literatur
- Jan Carstensen, Heinrich Stiewe: Orte der Erleichterung. Zur Geschichte von Abort und Wasserklosett. Imhof, Petersberg 2016 (Begleitbuch zur Ausstellung Freilichtmuseum Detmold).
- Holger Dosch: Stätten der Welt. München 2004.
- Daniel Furrer: Wasserthron und Donnerbalken. Eine kleine Kulturgeschichte des stillen Örtchens. Primus in Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2004.
Schon gewusst?
Im 19. Jahrhundert gab es in Städten wie Edinburgh und Frankfurt einen ungewöhnlichen Service: die „Pelerinenmänner“ und „Abtritt-Anbieterinnen“. In Edinburgh trugen Männer große Eimer auf einem Joch und riefen „Who wants me for a bawbee?“ – wer musste, konnte sich unter ihre weiten Umhänge stellen. In Frankfurt übernahmen Frauen diese Rolle: Mit Lederumhängen und Eimern boten sie Passanten diskret eine Toilette an. Ein Zeitzeuge berichtete, wie sie mit dem Ruf „Möcht mol aaner?“ auf sich aufmerksam machten. Und tatsächlich verschwanden manche unter den Umhängen, um ihr Geschäft zu verrichten.