Objektbeschreibung
Technische Daten
Datierung: um 1910
Material: Leinen und Baumwolle mit größeren Schmutzflecken
Mit den Kabinettsordern vom 8. und 10. Januar 1701 legte der wenige Tage später gekrönte erste König in Preußen eine preußische Flagge fest. Sie zeigte auf weißem Grund den Schwarzen Adler mit der Königskrone, sowie Zepter und Reichsapfel in den Klauen. Auf der Brust standen die Buchstaben FR für Fridericus Rex, König Friedrich. Kurzzeitig trug der Adler am Hals noch die offene Herzogskrone, die auf die polnische Lehnshoheit über einen Teil Preußens verwies. Landesflaggen waren ursprünglich eng mit dem Seehandel verbunden. Die Schiffe sollten Herrschaftsbereichen zugeordnet werden können. Andererseits stellten die Flaggen auch die Schiffe unter den Schutz dieser Herrschaft. Da Preußen erst Anfang des 19. Jahrhunderts ernsthafte maritime Aktivitäten entwickelte, blieb die Flaggenfrage lange Zeit nachrangig. Die 1772 gegründete Seehandlungsgesellschaft führte auf ihren Schiffen die 1701 festgelegte Flagge. Daneben bestanden eigene Flaggen der Seehandelsstädte. 1816 wurde eine Kriegsflagge mit schwarzem Adler und Eisernem Kreuz auf weißem Grund gestiftet. Sie wurde von der jungen preußischen Marine und zeitweilig auch von Schiffen der Seehandlung geführt. Das vorliegende Flaggenmodell geht auf eine Kabinettsorder von 1823 über die ordentliche Landes- und Handelsflagge zurück. Die Formgebung von Adler und Flagge änderte sich bis 1892 im Detail mehrfach geringfügig. Seither blieb die Dienstflagge für königliche Behörden festgelegt. 1922 wurden für den republikanischen Freistaat und 1933-35 unter der nationalsozialistischen Regierung letztmalig gestalterische Änderungen einer eigenständigen preußischen Landesflagge vorgenommen.
Text: // Carsten Reuß, April 2026
Literatur
- Meuß, Johann Friedrich (Hg): Die Geschichte der preußischen Flagge. Nach den Akten und anderen Quellen dargestellt. Berlin 1916. Reprint Wolfenbüttel 2014.
- Meuß, Johann Friedrich: Die preußische Königsflagge. In: Hohenzollern- Jahrbuch. Forschungen und Abbildungen zur Geschichte der Hohenzollern in Brandenburg- Preußen. 17. Jahrgang, S. 70-77, Berlin, Leipzig 1913.
Schon gewusst?
Der Ausspruch „die Flagge folgt dem Handel“, wird oft mit Otto v. Bismarck (1815-98) verbunden. Und in der Tat erfolgte die verbindliche Festlegung und allgemeine Nutzung einer preußischen Staatsflagge erst mit dem Auf- und Ausbau einer eigenen Marine und dem steten Aufschwung des eigenen Seehandels im 19. Jahrhundert. Bis heute gehören Flaggenvorschriften und bestimmte Flaggenrituale zum festen Bestandteil des internationalen staatlichen Protokolls.