Objektbeschreibung
Technische Daten
Gruß aus Minden
Datierung: 1898
Verlag: Max Volkening
Farblithografie
Das Militär spielte in der Geschichte Mindens seit jeher eine besonders wichtige Rolle. Dies gilt insbesondere für das 19. Jahrhundert, denn von 1813 bis 1879 ist die Stadt als Festung ausgebaut gewesen. Für die Stadt und seine Bewohnerinnen bedeutet dies große Einschränkungen, denn zu einem Zeitpunkt, als sich andere Städte im Zuge der Industrialisierung schon weit ins Umland ausbreiten konnten, war Minden im Wesentlichen auf seinen mittelalterlichen Stadtkern beschränkt. Von dieser Zeit zeugen noch heute zahlreiche Gebäude, die sich bis in die Gegenwart im Stadtbild Mindens bewahrt haben.
Die Postkarte von 1898 zeigt einige dieser Gebäude. Bemerkenswert ist, dass sie, abgesehen von einer allgemeinen Stadtansicht über die Weser hinweg, ausschließlich Militärgebäude zeigt, also keinen Dom, keine Alte Regierung, kein Stadttheater. Darin spiegelt sich, bei allen Einschränkungen, die die Festungszeit mit sich brachte, auch ein gewisser Stolz auf den Status der Stadt als eine der wichtigsten preußischen Garnisonen Westfalens, die in Minden durchaus für einen gewissen Wohlstand sorgte.
Herzstück der Mindener Garnison war die Militärvorstadt rund um den Simeonsplatz. Um jenen Platz herum, welcher als Exerzier- und Aufmarschplatz genutzt wurde, gruppieren sich zahlreiche weitere militärisch genutzten Gebäude. Hier ist natürlich in erster Linie die Defensionskaserne von 1829 zu nennen, welche auch auf der Fotografie von 1913 im Hintergrund zu sehen ist. Die Fotografie zeigt die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum des in Minden stationierten Infanterie-Regiments Nr.15. Auch hier wird deutlich, wie sehr sich die Mindener Stadtgesellschaft dem Militär verbunden gefühlt haben muss, denn unter den zahlreichen Besuchern tragen die meisten entweder Zylinder oder – wie sollte es anders sein – Pickelhaube.
Text: // Tim Rahe, Juni 2026
Literatur
- Volkmar Ulrich Meinhardt: Die Festung Minden. Gestalt, Struktur und Geschichte einer Stadtfestung. Minden 1958.
- Ulf-Dietrich Korn (unter Mitarbeit von Thomas Tippach): Festung und Denkmäler. Essen 2005 (Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen, Band 50: Stadt Minden, Teil I: Einführungen und Darstellung prägender Strukturen).
- Stein, Hans-Peter (Hrsg.): Transfeldt. Wort und Brauch in Heer und Flotte. Stuttgart 1986.
Schon gewusst?
Die auf der Postkarte von 1898 abgebildeten Gebäude haben zwar die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs überstanden, nicht jedoch alle die Stadtsanierung in der Nachkriegszeit. Die leider nicht mehr existierenden Gebäude befinden sich auf der Postkarte auf der linken Seite. Die 1863 errichtete Marienwall-Kaserne befand sich am nördlichen Rand der Innenstadt. In ihr war das erste Bataillon des Infanterie-Regiments Nr. 15 untergebracht. Die zinnengekrönten Türme verliehen dem an sich schlichten Backsteinbau ein burgähnliches Aussehen. 1973 wurde das Gebäude zugunsten von Sozialwohnungen abgerissen.
Die Hauptwache lag am Simeonsplatz südlich des Garnison-Lazaretts. Sie diente zur Unterbringung jener Soldaten, die zu Arreststrafen verurteilt wurden. Der Beiname „Vater Philipp“ wurde in vielen Städten auf Arrestgebäude angewandt und stammt ursprünglich von dem Arrestaufseher der Potsdamer Garnison. Im Jahr 1974 wurde das Gebäude im Zuge der Erweiterung des Klinikgeländes abgerissen.