Objektbeschreibung
Technische Daten
Datierung: um 1918
Herkunft: Frankreich
Hersteller:inkürzel: M.F. Weißmetall
Material: Bronze
Propaganda spielt in Kriegen immer eine wichtige Rolle. Im Ersten Weltkrieg erhielt sie jedoch eine bis dahin in diesem Umfang nie gekannte Bedeutung. Dies zeigte sich nicht nur in den Medien, sondern auch in Objekten, die für den privaten Gebrauch gedacht waren. Bei dem hier vorliegenden Exponat handelt es sich um ein Tintenfass in Form eines Eberkopfes, welches 1918 in Frankreich hergestellt wurde. Es vereint den Kopf eines Wildschweines und die dazu gehörigen Attribute wie „gefährlich, ungestüm, urtümlich“ oder „wild“. Diese Begriffe wurden zudem mit dem „Pickelhaube“ genannten Helm verbunden, der symbolisch für den preußischen Militarismus stand. Die Darstellung des Tintenfasses nimmt zugleich das Bild Kaiser Wilhelms II. ins Visier, indem die Hauer des Ebers an die besondere, hochgezwirbelte Barttracht des Kaisers erinnern. Die Messingplakette am Sockel trägt die gravierte Inschrift „Guillaume, 1914-18“ und ist eine Anspielung auf Wilhelm II. Dieses Objekt sollte als Propaganda zugleich den Kriegsgegner verspotten und ihm sein menschliches Antlitz nehmen. Darstellungen dieser Art finden sich in Gegenständen und Graphiken bei allen kriegführenden Parteien im Ersten Weltkrieg.
Text: // Tim Rahe, Juli 2026
Literatur
- Bartel, Elisabeth: Donnerwetter tadellos!: Kaiser, Hoffriseur und Männerbärte. Berlin 2013.
- Bremm, Klaus-Jürgen: Propaganda im Ersten Weltkrieg. Darmstadt 2013.
- Clark, Christopher: Wilhelm II. Die Herrschaft des letzten deutschen Kaisers. München 2008.
- Hamann, Brigitte: Der Erste Weltkrieg. Wahrheit und Lüge in Bildern und Texten. München 2004.
Schon gewusst?
Der markante Bart von Kaiser Wilhelm II. mit den aufwendig nach oben gezwirbelten Enden wurde von seinem Hoffriseur François Haby erfunden und hatte sogar einen eigenen Namen: Der „Es ist erreicht!“-Bart. Er sollte den Machtanspruch des Kaisers symbolisieren und Disziplin und Selbstbewusstsein ausdrücken. Den Zeitgenossen schien es, „als ob der Reichsadler auf des Kaisers Oberlippe“ Platz genommen hätte. Er gab sogar einer Tierart seinen Namen: Der in Südamerika lebende Kaiserschnurrbarttamarin trägt seinen Namen auf Grund der vermeintlichen Ähnlichkeit mit der Barttracht des Kaisers.